1:08 Uhr

P: Im englischen gibt es einen Spruch. Die Intelligenz habe ich von meinem Vater. Meine Mutter hat ihre ja noch.

A: Was hat Mama noch?

P: Im englischen gibt es einen Spruch. Die Intelligenz habe ich von meinem Vater. Meine Mutter hat ihre Intelligenz ja noch.

A: Das ist aber männerfeindlich. Das kannst du nicht sagen.

P: Das ist ein Scherz. Naja, wahrscheinlich muss man den englischen Humor mögen.

A: Achso (lacht) du bist so schlau dein Papa so schlau ist.

P: Nee, ich habe von Papa seine bekommen.

A (man sieht förmlich die Gehirnzellen ratter, verhalteneres Lachen)

P (stumm, mir fällt einfach nichts ein, was ich noch sagen könnte, um es zu erklären. Und überhaupt.)

2:10 Uhr

Der letzte Blick zur Uhr. Die war okay, nehme ich an. Habe heute vergleichsweise lange zum Einschlafen gebraucht. So 20 Minuten denke ich. Dieser insgeheime Test von vorhin lässt mir keine Ruhe. Habe ich einen Denkfehler? Funktioniert der Spruch vielleicht nur auf englisch? Kann nicht sein, oder?

Die absolut letzte Reaktion, die ich erwartet habe, ist eine etwaige Männerfeindlichkeit. Möglicherweise möchte ich gar nicht wissen, was in seinem Kopf vorgeht. Ich sage ja schon länger, dass er völlig überkompensiert und eigentlich hochgradig schwul ist.

Ja, ich weiß, sowas tut man nicht. War ja keine Absicht, ihn zu testen. Ich konnte ja nicht ahnen, dass er den Spruch nicht verstehen würde, völlig egal, wie ausführlich ich es ihm erkläre. Harter Tobak.

Gelagert wurde ich heute Nacht jedenfalls zuverlässig. Bin mehrfach wach geworden dabei, aber auch jedes Mal schnell wieder eingeschlafen. In der Früh war ich sieben rum wach, beschloss aber, weiter zu schlafen. Es ist Wochenende. Was soll schon groß passieren heute?

09:30

Aufstehen ist angesagt. Ich hatte noch nicht einmal den ersten Kaffee, da schallts mir in den Ohren. Also nicht wörtlich, denn die sind nach wie vor dicht. Trotz erneuter Rückfrage an Doc – dieses Mal per E-Mail, seit einer Woche das Schweigen im Walde. Und in meinem Ohren.

Mit einer Ausnahme. M berichtet mir, dass ihn schon wieder das Büro angerufen hat. Sie können nicht abrechnen, solange ich nicht unterschreibe. Alter! Es ist Samstag und ich hatte noch nicht einmal einen Kaffee. Ich mach ja schon. Erledigt.

10:15 Uhr

Ich vergaß. Da weiß ja wieder A nicht, was B macht. Wie auch, is ja schon aus Prinzip immer der ander. Verantwortlich, zuständig, schuld. Immer wer anders. Naja.

Und so ist denn die nächste am Start, die sich einmischt.

2:55 Uhr

Ich liege in einem Bad aus meinem eigenen Speichel. M bringt eine neue Flasche Wasser. Stellt sie neben den Befeuchter. Und geht wieder. Wie kann man nur so dermaßen ignorant sein? No offense, aber mit Faulheit hat das nichts zu tun. Das ist ja schon krass unhöflich, mal von pflegerischen Aspekten abgesehen.

13:15 Uhr

Marion ist zu Besuch und bittet Mitja erstmal, mich abzusaugen.

Und das soll auch das letzte erzählenswerte gewesen sein. Denn mehr ist nicht passiert. Besitze ich die Unverschämtheit, zu rufen, kommt ein bedröppelter Pfleger mit einem weinerlichen „Was ist denn?“, als sei ich ein Vierjähriger, der ihn gerade zum fünften Mal innerhalb einer Stunde geweckt hat. Keine Ahnung, was für ein Problem er hat. Aber entweder er bekommt das in den Griff, oder ich sehe es schon das nächste Mal scheppern.

19:30 Uhr

Da muss ich mich doch glatt selbst korrigieren. M geht heute mit Kumpels saufen. Zitat, seine Frau hat es ihm erlaubt. Gut für mich, denn O ist deshalb früher zum Nachtdienst gekommen und alles wird früher als erwartet gut.